- 28. Dez. 2025
Was sich anfangs wie eine dystopische Satire liest, erweist sich durch die laufenden Ereignisse immer mehr als schonungslose Darstellung der Gegenwart, einer Welt im Umbruch. Einer Welt, in der alle zivilisatorischen Errungenschaften über Bord gehen, in der Hinrichtungen schon länger ohne „due process of law“ stattfinden. Keine Verfassung hat noch Gewicht, der westliche Wertekanon dient nur noch der Durchsetzung der eigenen Machtansprüche und der Rechtfertigung feindseliger Handlungen. Die Masken der Macht fallen, weil man sich lange daran gewöhnt hat, in deren Fratze zu blicken. Die utilitaristische Ethik, die ohne Wenn und Aber das Handeln der großen Player dieser Welt bestimmt wird nicht nur ungeschminkt ausgesprochen, sondern findet ihren Weg in den Nobelpreis, der nun für die Finanzierung eines Mordes „mit positiven Effekten“ verliehen wird. Die Führer der Vasallen vergessen ihren „Wertekanon“ und versammeln sich zur Verleihung, bei der sie eine (böse?) Überraschung erleben...
Claudel ist die Beschreibung des aufkommenden totalitären Kapitalismus in erschreckenden Dialogen perfekt gelungen. (Paul P.)

- 28. Dez. 2025
So schön die Ausgabe von R.M.Rilkes Korrespondenz mit Mimi Romanelli im Leipziger Literaturverlag in meiner Übersetzung aus dem Französischen unter dem Titel BRIEFE AN EINE VENEZIANISCHE FREUNDIN auch geworden ist - es handelt sich um die erste deutschsprachige Ausgabe der Briefe, die auch in der Gesamtausgabe nicht aufscheinen - hätte ich mir doch niemals gedacht, dass diese einmal zum 100. Geburtstag Rilkes am 4.Dezember 2025 (im Feuilleton der Furche von Andreas Wirthensohn unter dem Titel "Gesang ist Dasein" zitiert würden, um dessen Unfähigkeit, längerfristige Beziehungen zu Frauen einzugehen, zu dokumentieren!
Dort heißt es: Als Mimi Romanelli, für die er in Venedig kurzzeitig entflammte, ihm zu sehr auf die Pelle rückte, schrieb er ihr: "Vergessen Sie niemals, dass ich der Einsamkeit gehöre, dass ich niemanden brauchen darf, dass mir all meine Kraft aus der Ungebundenheit entsteht, und ich versichere Sie, Mimi, ich flehe jene an, die mich lieben, meine Einsamkeit zu lieben, andernfalls müsste ich mich vor ihren Augen, vor Ihren Händen verbergen, wie ein wildes Tier sich vor der Nachstelllung durch seine Feinde verbirgt." (Dieser erschütternde Satz ist copyright mm)

- 21. Nov. 2025
Am 19. November 2025 fand im Science Dome der Experimenta in Heilbronn das Siegerstück des "Science & Theater Festivals 2023" von Laurent Gaudé DIE LETZTE NACHT DER WELT in der Übersetzung von Margret Millischer in der Inszenierung von Elias Perrig statt. Die beeindruckenden Projektionen auf die Kuppel des Science Domes zeigen abstrakte, aus Punkten zusammengesetzte Bilder von Sternenhimmeln, Lichtkaskaden und in den Norden fliehenden Tieren.

Hier zwei Besprechungen in Die deutsche Bühne und Nachtkritik.
